Orkan Friederike: Der Tag danach...


Der Tag danach.... Es fällt als Feuerwehrmann schwer, die Geschehnisse in einem Artikel wie diesem zusammenzufassen und unseren Lesern über die Folgen des Orkantiefs "Friedericke" in unsere Region zu berichten.

Die Gedanken schweifen immer wieder auf das Erlebte des gestrigen Nachmittags. Jeder hat spätestens seit jetzt tiefsten Respekt vor der Gewalt der Natur und versucht damit umzugehen. Während viele Landstriche und Orte fast ohne irgendwelche Schäden davongekommen sind, so hat es die heimischen Dörfer und Wälder doch ordentlich gebeutelt.

Wo einst dichte Nadelwälder den Wegrand säumten, klaffen am heutigen Tag große Lücken in der Natur. Regelrechte Schneisen, die sich "Friedericke" gebahnt hat, sind erkennbar. Jahrzehnte alter Baumbestand - abgeknickt wie Streichhölzer. Heute in den Höhenlagen eingehüllt von Neuschnee als wolle die Natur die Schäden einfach zudecken.

Und während am gestrigen Nachmittag die vielen Einsätze in Wald und Flur laufen und fast alle Feuerwehren des Landkreises gegen die Schäden ankämpfen, ereilt die Kameradinnen und Kameraden die Nachricht vom Tod eines 28-jährigen Kameraden aus Bad Salzungen, der ebenso wie sie selbst sich in Gefahr gebracht hat, um einer Autofahrerin, die zwischen herabgefallenen Bäumen eingeschlossen war, zu helfen - ja, "helfen" - Feuerwehrleute haben dieses Syndrom...

...am gestrigen Nachmittag findet es Unterstützung von Energieversorgern, die sich mühen, die Stromversorgung wieder herzustellen oder dem städtischen Bauhof, der Seite an Seite gegen die Naturgewalten ankämpft.

Aber am Tag danach ist auch Zeit darüber nachzudenken, warum am Vorabend bereits der Katastrophenwarndienst KATWARN vor der extremen Unwetterlage die Nutzer der App warnt und die Schüler trotzdem nicht zu Hause bleiben dürfen. Nein ganz im Gegenteil: An mancher Schule werden sie in der Spitze des Orkans nach Hause entlassen und stranden teilweise unterwegs, da keine Busse und Bahnen mehr fahren. Da gibt es organisatorisch also durchaus etwas zu verbessern.

Aber es gibt auch Gutes zu berichten:

... da gibt es eine hervorragende Zentrale Leitstelle des Landkreises, die sehr früh und weitsichtig die lokalen Unwettermodule der Kommunen alarmiert und Dank des Digitalfunks eine Infrastruktur, die erst das Management einer solchen Lage ermöglicht.

... außerdem ein sehr gutes Zusammenspiel der einzelnen Wehren, die die unzähligen Einsatzstellen abgearbeitet haben. Allein im Gebiet der Stadt Heringen (Werra) dürften es mehr als 25 gewesen sein. So sieht gelebte Kameradschaft und Zusammenarbeit auch zu den Nachbarkommunen und -wehren aus.

... unzählige fremde gestrandete Autofahrer, die von ihren Navis von der gesperrten A4 in die hessischen Wälder geschickt werden und sich geduldig von den eingesetzten Kräften den Weg erklären lassen.

... am gestrigen Nachmittag mehr als 50 freiwilligen Männer und Frauen der städtischen Wehren, die da waren, einfach zu "helfen".

Und spätestens heute sollten alle Stimmen verstummt sein, an der Infrastruktur der Freiwilligen Feuerwehren oder Leitstellen zu sparen. Es gehört schon fast an einem Tag wie heute dazu, dass jeder das Ehrenamt und die Freiwilligen lobt.

Aber diese nette Geste ist das Eine, das Andere ist der Nachwuchs und Fortbestand der Wehren, die nicht nur in stürmischen Zeiten gebraucht werden. Denn so Einige, die diese Zeilen hier lesen, könnten sich selbst den Ruck geben und den Schritt in eine spannende Welt der Feuerwehr machen, um so die Zukunft der freiwilligen Feuerwehren zu sichern. Dabei ist es doch so einfach, Kontakt mit der örtlichen Feuerwehr aufzunehmen, um einfach selbst Feuerwehrfrau oder Feuerwehrmann zu werden (gk).

Quelle: werratal-news.de