Heringer Feuerwehren: Jeden Tag eine gute Tat


"In Abwandlung des Pfadfinder-Mottos „Jeden Tag eine gute Tat“ haben die Feuerwehren der Stadt Heringen (Werra) in 2017 – zumindest statistisch gesehen – jede Woche eine gute Tat vollbracht, indem genau 52 Einsätze zum Schutz der Bürger absolviert wurden". Mit diesen Worten erföffenete der Heringer Stadtbrandinspektor Hans-Jürgen Pfromm am gestrigen Samstagnachmittag im Stadtteil Lengers die gemeinsame Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Heringen (Werra).

Nachfolgend ein Rückblick auf das Jahr 2017:

Einsätze

Diese Einsätze gliedern sich in:
• 7 Brandeinsätze (14%)
• 25 Hilfeleistungen (48%) und
• 20 Fehl- und blinde Alarme (38%),

Bei den Brandeinsätzen handelte es sich ausnahmslos um Kleinbrände, wenn auch einer davon etwas spektakulärer war: Die Alarmierung lautete „Feuer mit Personen im Gebäude“. Aus einem geöffneten Fenster im 1. OG eines Hauses war Rauchentwicklung wahr zu nehmen. Da die Woh-nungstür verschlossen war wählte der Einsatzleiter das geöffnete Fenster als Erkundungs- und Angriffsweg für den Angriffstrupp. Der Trupp stellte eine kokelnde Bratpfanne auf dem Herd fest, stieg ein und beförderte die Pfanne auf gleichem Weg aus der Küche. Zwischenzeitlich machte sich ein Mädchen beim Einsatzleiter bemerkbar, das in gebrochenem Deutsch mitteilte, dass ihr Bruder neben der Küche schlafe. Die Angriffstrupp begab sich in der durch das geöffnete Fenster nur minimal verrauchten Wohnung auf die Suche und fand ihn auch umgehend schlafend aber wohlbehalten vor. Auf dem Weg mit dem Kind durch das Treppenhaus nach draußen, kam ihnen plötzlich noch ein weiteres Kind aus dem Dachgeschoß entgegen. Bei einer Nachsuche des anderen Stockwerks wurden noch zwei weitere Kinder aufgefunden und auch erstmal in Freie gebracht und konnten ihrer heimkehrenden Mutter übergeben werden. Nach einer Nachkontrolle der Küche und einer kurzen Lüftungsphase konnte die Familie anschließend wieder in ihre unbeschädigte Wohnung zurück kehren.

Die Hilfeleistungen umfassten das übliche Spektrum von Ölspuren über Sturmschäden, Türöffnungen, Tragehilfen bis hin zu einer Tierrettung aus der Werra, bei der das neue Mehrzweckboot zu seinem ersten Real-Einsatz kam.

Neben vier blinden Einsätzen (Meldung bestätigte sich nicht bei: 2x gemeldete Ölspur, 1x Pkw-Brand, 1x Türöffnung) gab es auch 16 Fehlalarme durch automatische Brandmeldeanlagen, davon die Hälfte in unserem Fritz-Kunze-Bad.

Im Wesentlichen lösten die Anlagen aber bestimmungsgemäß aus und detektierten Rauch, aber in keinem Fall war ein Schadenfeuer die Ursache. Ab und zu ließen sich die Rauchmelder auch durch Wasserdampf, bzw. Nebel täuschen. In allen Fällen konnten die alarmierten Einsatzkräfte nach kurzer Kontrolle der Räumlichkeiten die Einsatzstelle umgehend wieder verlassen.

Das Fazit zum Einsatzgeschehen 2017 lautet: Im Vergleich zu den Vorjahren war es in der Anzahl und im Umfang deutlich ruhiger.

An den Einsätzen waren beteiligt: die Wehren

▪ Herfa 5 x
▪ Heringen 38 x
▪ Kleinensee 6 x
▪ Lengers 9 x
▪ Widdershausen 1 x
▪ Wölfershausen 3 x

Brandsicherheitswachdienste wurden 4 Stück abgeleistet.

Aus- und Fortbildung

In 2017 wurden zusammen 38 Lehrgänge erfolgreich absolviert.

Personal

Zum 31.12.2017 waren 18 Frauen und 139 Männer in der Einsatzabteilung der Stadt Heringen (Werra) aktiv. Die ist eine Verminderung um 5 Personen zum Vorjahresstand. Die Veränderung setzt sich zusammen aus 4 Übernahmen aus der Jugendfeuerwehr, 3 Neueintritten von Seiteneinsteigern, 7 Austritten und 5 Übertritten in die Alters- und Ehrenabteilung.

Die Neuzugänge in 2017 sind:

Aus der Jugendfeuerwehr:
▪ Jonas Golon
▪ Johanna Heinz
▪ Anton-Lukas Jagnow
▪ Fabian Nieding

Neueintritte:
▪ Maximilian Nieding
▪ Sebastian Ruch
▪ Christian Wilker

Die fünf Jugendfeuerwehren der Stadt Heringen zählen 55 und die Kindergruppen 21 Mitglieder. Im Berichtsjahr gab es 6 Übernahmen aus den Kindergruppen, 5 Neueintritte in die Jugendfeuerwehr, 2 Austritte sowie 4 Übernahmen in die Einsatzabteilungen Kleinensee, Widdershausen und Wölfershausen.

Technik

Die „Luxus-Yacht“ ist da. Im Frühjahr 2017 konnten zwei Kameraden das neue Rettungs- und Mehrzweckboot in Rostock abholen, damit ging die knapp 40-jährige Ära des Schlauchbootes, dem zum Ende hin sprichwörtlich die Luft ausging, zu Ende.

Wenn das alte Boot sprechen könnte, hätte es uns einige Stories erzählen können: Von Ausbildungsstunden im Sommer bei strahlendem Sonnenschein, aber auch von Ölsperren bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, von Personensuchen bei Dunkelheit und – bei schlechtem Ausgang der Suche – auch von Leichenbergungen. Ein Einsatz den kein Feuerwehrmann braucht und auch nicht vergisst.

Mit dem neuen Alu-Boot steht und ein funktionelles Rettungs- und Arbeitsgerät zur Verfügung, das sicherlich genauso lange halten sollte und, wie die Geschichte des alten Bootes uns beweist, kein Luxus ist

Das Thema Digitalfunk geht nun langsam aber sicher seiner vollständigen Einführung entgegen:

• Kurz vor Weihnachten ist „die Heringer“ Basisstation in Betrieb gegangen und damit die Voraussetzung für die Umstellung auf digitale Alarmierung.
• Die Sicherheitskarten sind letzte Woche, die Pager diese Woche eingetroffen.
• Nun müssen die Pager nur noch programmiert werden, damit sie ausgegeben werden können. Für das „nur noch programmieren“ muss sich Guido Kamm die nächsten Wochen die Abende um die Ohren schlagen.
• Im Einsatzleitrechner sind die digitalen Adressen schon eingepflegt. Derzeit als 1:1-Umsetzung mit dem feinen Unterschied, dass auch in den Stadtteilen nach kompletter Umstellung keine Sirene mehr läuft sondern nur noch die Melder piepsen.
• Mit einer etwaigen Verfeinerung der Alarmierung in Bezug auf die benötigten Einsatzkräfte und die Auswertung der Rückmeldung „komme/komme nicht“ bleibt noch eine Spielwiese für weitere organisatorische und technische Weiterentwicklungen.
• Als letzter Schritt bleibt dann noch die Umrüstung der Sirenen auf digitale Empfänger.

Allgemeines - Anstehende Maßnahmen

Trotz der bisher getätigten Investitionen in den Brandschutz wird auch in den nächsten Jahren noch einiges Geld in die Hand genommen werden müssen:

Die Fahrzeuge in Lengers, Heringen (TSF-W), Widdershausen und Herfa sind oder kommen in das Alter in dem die Technik nicht mehr so richtig funktioniert oder der Rost gnadenlos zuschlägt. Wenn dann das Fahrzeug auch noch älter als seine Besatzung ist, ist doch so langsam eine Ersatzbeschaffung notwendig.

Bei den Feuerwehrhäusern steht in der Kernstadt die Erweiterung der Fahrzeughallen, der Lagermöglichkeiten und der Atemschutzwerkstatt auf dem Plan und auch in Herfa wird der Technische Prüfdienst nicht ewig die Mängel, insbesondere bei den Sicherheitsabständen, nur mit einer gelben Ampel kennzeichnen. Hier wird es vermutlich ebenfalls auf einen Neubau hinauslaufen.

Da das im bestehenden Bedarfs- und Entwicklungsplan teilweise mit anderen Zeiten und Beträgen vorgesehen ist und sich auch andere Rahmenbedingungen ergeben haben, steht für 2018 eine Fortschreibung des Planes aus 2011 ganz oben auf der Agenda. Denn ein von der Stadtverordnetenversammlung beschlossener Bedarfs- und Entwicklungsplan ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Gewährung von Fördermitteln des Landes für die Ersatzbeschaffungen.

Updates

"Bei der Pager-Programmierung habe ich eben schon einmal versucht den Aufwand zu beschreiben, den wir mit der modernen Funktechnik haben. Bei den Hand- und Fahrzeugfunkgeräten sind es die wiederkehren Softwareupdates. Das sind alles Aufwände, die neu hinzugekommen sind und die auch keiner sieht. Wenn dann der Computer und das Funkgerät sich nicht immer richtig verstehen, ist man kurz davor alles in die Ecke zu werfen. Bei den Pagern soll der Feuerwehrmann selbst am heimischen PC das Update vornehmen können, ich bin mal gespannt, ob das klappt.", so Hans-Jürgen Pfromm.

Ferner kritisierte er die immer weiter steigenden Auwände für Prüfungen und Dokumentationspflichten und schlug gesonderte "Datenpfleger", die die Führungskräfte dabei entlasten können, vor.

Sturmeinsätze

„Frederike“ zeigte auch den Heringer Feuerwehrleuchte ganz deutlich, richtige Sturmeinsätze sind nicht „ohne“. Solange der Sturm andauert, kann es auch für die Einsatzkräfte lebensgefährlich sein. Wenn der Fahrzeugführer vor einem Waldgebiet mit umstürzenden Bäumen sagt, „wir gehen da nicht rein“ ist es keine Feigheit, sondern Fürsorge für seine Mannschaft, so der Stadtbrandinspektor.

Ehrungen

Sebastian Flaut und Antonino Murania erhielten das Eiserne Feuerwehrleistungsabzeichen. Georg Reichl aus Heringen-Lengers wurde mit dem Goldenen Brandschutzerhrenzeichen ausgezeichent.

Ferner konnten durch die Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar, Stadtbrandinspektor Hans-Jürgen Pfromm, stellv. Stadtbrandinspektor Guido Kamm, Kreisbrandmeister Karsten Kunz, den ersten Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes Thomas Specht und Bürgermeister Daniel Iliev nachfolgende Kameraden, die befördert wurden, gratulieren:

• Torsten Stephan Heringen zum Löschmeister
• Christian Siebert Heringen zum Löschmeister
• Helmut Strube Widdershausen zum Löschmeister
• Kevin Deiß Heringen zum Oberlöschmeister
• Hendrik Ruch Heringen zum Oberlöschmeister
• Mirko Bachmann Kleinensee zum Brandmeister

Peter Heiner, der 19 Jahre als Wehrführer des Stadtteils Lengers die dortigen Geschicke geleitet hatte, wurde nachdem er sich nicht wieder zur Wiederwahl gestellt hatte, aus dem Ehrenbeamtenverhältins entlassen.

Die Kameraden Hans-Werner Klotzbach und Hans-Fred Wedel aus Wölfershausen, Karl Brandt und Georg Reichl aus Lengers,  Norbert Jokuszies aus Heringen und Ulrich Zetzmann aus Herfa wurden nach Erreichen des maximalen Dienstalters unter Beifall der rund 90 Anwesenden aus der Einsatzabteilung entlassen und in die Alters- und Ehrenabteilung der Feuerwehr übernommen.